Vorwort:
Gorillas im Nebel?
Um 6:30 Uhr morgens klingelte der Wecker. Nach Tee und einem
sehr kleinen, spartanischen Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und checkten aus dem Hotel
aus. Unsere Sachen brachten wir zum Hafen. Dort kann man Koffer, Rucksäcke usw.
einschließen und dann mit leichtem Gepäck die Insel erkunden. Wir waren dank
unseres zeitigen Aufbruchs relativ allein. Noch bevölkerten keine
Touristenströme die Straßen und Sehenswürdigkeiten und auch die Rehe waren
(noch) sehr entspannt und friedlich.
Im Schrein liefen die Vorbereitungen für eine am Nachmittag
dort stattfindende Trauung. Es wurde geputzt, gekehrt, Holz geölt, Matten
ausgelegt.
Nachdem wir den Schrein durchlaufen und genügend Fotos
geknipst hatten, ging es weiter Richtung Ropeway immer bergauf.
An der Seilbahn angekommen, ging es rein in die Gondel und
rauf zur Zwischenstation, wo man in eine weitere Gondel umsteigen muss.
Wir
waren mit die ersten, nur ein älterer Herr wartete bereits in der zweiten
Gondel. Das so wenig los war, lag sicherlich an dem, auf dem Berg, anhaltenden
Nebel und der Bewölkung. Einige wenige verirrten sich kurz nach uns auf den
Berg. Trotz einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 98% und das Frau Mitreisende
eine leichte Erkältung mit sich herum schleppt, wagten wir uns an den Aufstieg.
Ich selbst fühlte mich, anders als vor 5 Jahren, gut trainiert und vorbereitet,
den Gipfel zu erklimmen. Wie schwer konnte es schon sein, dort hoch zu kommen? Viele
ältere Herrschaften, denen wir auf unserem Hin und Rückweg begegneten,
beschreiten den nicht gerade einfachen Weg zum Berggipfel mit einer Frische und
Leichtigkeit, die mir bereits nach einem Drittel des Aufstieges abhanden
gekommen war. Allein von der Seilbahnstation bis zum Gipfel gilt es rund
650 Stufen zu bewältigen. Dabei sind die Stufen unterschiedlich hoch,
unterschiedlich tief und manchmal gar nicht als echte Stufen zu erkennen,
sondern Felsbruchstücke, über die man steigen muss. Zwischen den einzelnen
Stufen kommen Abschnitte mit steil verlaufendem Weg. Hier und da macht der Weg
einen Bogen, geht kurz Berg ab, nur um gleich darauf wieder steil anzusteigen
oder in einer Treppe zu münden, die es zu erklimmen gilt, wenn man denn nach oben
will. Und wir wollten. Ganz unbedingt, auch wenn es noch so schwül war und wir
beide völlig verschwitzt waren, als wir, zunächst glücklich, bei dem Bergtempel
ankamen.
Aber da war kein Gipfel. Nein, um auf den Gipfel zu
gelangen, musste man sich weiter nach oben quälen. So weit gekommen, wollten
wir nicht aufgeben. Stetig schraubte sich der Weg weiter nach oben, in die
Wolken hinein und immer wenn man dachte, das jetzt ist die letzte Biegung… dann
musste man noch ein Stück weiter. Aber dann, endlich, ganz oben angekommen,
wurden wir mit einer Aussicht belohnt, die man sicherlich nicht jeden Tag
geboten bekommt.
Wir standen in einer Wolke und im Nebel und sahen Gorillas im Nebel... oder auch nicht. Spaß bei Seite, es war wirklich frisch dort oben und an einem klaren, sonnigen Tag ist der Ausblick bestimmt grandios. So in etwa:
Wir hatten dennoch Spaß. Und sind auch ein kleines bisschen
stolz auf uns, weil wir es wirklich und überhaupt bis zum Gipfel geschafft
haben. Dabei hat sich Frau Mitreisende besonders tapfer geschlagen. Mit einer
Erkältung da hoch ist wirklich kein Spaziergang.
Auf unserem Abstieg begegneten uns dann mehr Leute und alle
grüßten sich fröhlich, wohl wissend, was den einen noch an Arbeit bevor stand und was die
anderen bereits hinter sich hatten. Zurück in der Seilbahnstation gönnten wir
uns unsere erste echte Mahlzeit des Tages. Curry Udon. Heiß, scharf und absolut
wohltuend. Dazu eine Aussicht, die um einiges besser war, als die auf dem
Gipfel.
Leider verging die Zeit auf der Insel viel zu schnell und
wir mussten „Auf Wiedersehen“ sagen. Denn ein Wiedersehen wird es hoffentlich
geben. Frau Mitreisende und ich haben schon Pläne für unseren nächsten Besuch
auf Miyajima gemacht. Wenn irgend geht, wollen wir dann länger bleiben. Raban
hat sich vielleicht nicht in die Insel an sich verliebt, die findet sie einfach
nur schön, aber die Rehe, die haben es ihr angetan ;-D
Auf dem Weg zurück nach Kyoto haben wir beide im Shinkansen
erst eine Kleinigkeit gegessen und dann etwas geschlafen. In Kyoto mussten wir
an der Central Station nur noch in den richtigen Bus steigen und 6 Stationen
bis zum Apartment fahren. Während Frau Mitreisende ihre Erkältung mit einem
heißen Bad und kaltem Sake den Kampf ansagte, versuchte ich gestern noch beide
Blogeinträge fertig zu stellen. Doch blogger hatte irgendwie nur wenig Lust und
brauchte ewig, um die Bilder für den ersten Teil unseres Auswärtsspiels hoch zu
laden. Gegen 1:00 Uhr nachts war zumindest der erste Teil fertig. Raban
lag bereits im Bett und schlief. Ich beschloss, mich nicht weiter zu quälen,
sondern den zweiten Teil des Eintrages auf heute zu verschieben, so dass ihr,
liebe Leser, heute zwei Blogeinträge bekommt.
In diesem Sinne: Bis später - じゃあまたね
Eure Yane
Tapfer, tapfer, zwei Geishas so hoch hinaus. Runterwärts ist meist schlimmer als hoch.
AntwortenLöschenGibt es dann etwa Muskelkater?
Danke für die vielen schönen Bilder und natürlich den Text.
Wann wollt Ihr Euch mal richtig ausschlafen? Auf dem Heimflug.?
Liebe Grüße von Do. und Pe.