Da war er nun angebrochen, der vorletzte Tag in Kyoto. Mit
viel Sonnenschein und nach langer Nachtruhe (ganze 8 Stunden Schlaf!). Das
konnte nur ein großartiger Tag werden, denn noch lagen 2 ganze Tage in Kyoto vor
uns. Laut Wetterbericht mit viel Sonne. Ganz entspannt starteten wir in den Tag
und während Frau Mitreisende sich für ein Art japanisches Frühstück mit
Misosuppe und Tintenfisch (mit Saugnäpfern an den Tentakeln – irghs) entschied,
gönnte ich mir ein Schälchen deliziöser Erdbeeren.
Den komischen Tintenfisch enthalte ich euch lieber vor, sehr
appetitlich sah der nämlich nicht aus. Bevor wir zu unserem Tagesausflug
aufbrachen, schrieben wir noch ein paar Karten und Raban packte ihren Koffer
einmal zur Probe – alles easy. Es passte fluffig fast alles rein und vom
Gewicht her auch kein Thema. Das hob unsere sowieso schon gute Laune erheblich.
Mit dem Bus, der mal wieder proppen voll war, fuhren wir zum Daisen-In, einem
sehr bekannten Tempel, um den es herum noch gefühlte weitere 50 Tempel gibt, die
aber alle irgendwie zum Daisen-In gehören. Nur besichtigen kann man nicht alle.
Bei unserer Fahrt fiel uns einmal mehr auf, dass wahnsinnig
viele Schüler tagsüber in den Schreinen und Tempeln (und natürlich in den
Bussen und Bahnen dahin) unterwegs sind. Entweder in ganzen Klassen oder aber
in Gruppen von 4 bis 10 Schülern, oft begleitet von einem meist älteren
Erwachsenen, der die Anlagen erklärt. Da stellte sich uns des Öfteren die
Frage, ob die keinen Unterricht in den Klassen haben oder nicht genügend Platz,
so dass permanent ein Teil der Schüler mit solchen Exkursionen beschäftigt werden
muss. Falls sich jetzt Jemand fragt, ob das böse gemeint ist: nein, ist es
nicht. Es ist wirklich sehr auffällig, wie viele Schulkinder unterwegs sind.
Massen! Aber zurück zum Thema. Der Daisen-In Komplex ist wirklich
sehr schön und idyllisch. Wer Abstand von der Hektik braucht, gönnt sich am
Besten dort einen ganzen Tag. Man kann entspannt durch die ruhigen Straßen
schlendern und sich in Ruhe umsehen, ohne etwas von der Hektik und dem Lärm der
Stadt mitzubekommen.
Und wenn man Muse und Zeit hat (die sollte man sich für
einen Besuch im Haupttempel nehmen), geht man in den Daisen-In. Wir haben fast
zwei Stunden dort verbracht und waren von dem kleinen Garten ganz hin und weg. Ich
kann nicht wirklich erklären, wie der Garten aufgebaut ist, aber er verläuft um
das Haus herum. Wer jetzt Blumen, Büsche und Sträucher erwartet wird
enttäuscht. Man läuft im Haus/am Haus entlang über Stege und blickt in den
Zen-Garten hinein. Kies ist so gerächt, dass er in Wellen liegt. Große Steine
die darauf ausgerichtet sind, haben eine bestimmte Bedeutung und das alles
erschließt sich dem geneigten Besucher, in dem er das Klemmbrett mit allen
Erklärungen (mit insgesamt 30 Punkten) Stück für Stück durch geht und sich auf
das einlässt, was zu sehen ist. Dann ist dieser Besuch sehr spannend und
informativ. Hat man keine Zeit oder Lust dazu, sind es nur ein haufen Steine,
etwas Moos und vielleicht noch ein oder zwei Bäumchen, die in einem ansonsten
kargen Garten herum stehen. Aber(!) wenn ihr irgendwann einmal den Daisen-In
besuchen solltet, dann nehmt euch die Zeit, es lohnt sich! Wir hatten heute
zwar keine echte Erleuchtung, aber dennoch viel Spaß und sind ein ganzes
Stückchen schlauer geworden ;-) Leider ist das Fotografieren verboten. Wer
Interesse hat, sich den Garten anzusehen, googelt entweder oder schreibt mich
an, ich habe eine kleine Broschüre mit den Erklärungen der einzelnen Abschnitte
des Gartens.
So unerleuchtet, aber noch entspannter als zuvor, machten
wir uns auf den Rückweg, der allein bis zum Bahnhof fast eine ganze Stunde in
Anspruch nahm. Im Bahnhof, ihr ahnt es bestimmt schon, holten wir uns am
Lieblingsbentoladen O-Bentos und brachten die Postkarten weg. Da unser JR Bus
erst eine halbe Stunde später fahren sollte, machten wir uns zu Fuß auf den Weg
ins Apartment. Dort angekommen begegneten wir einer Mitarbeiterin von Kyoto
Apartment, unseren Vermietern. Sie fragte sehr freundlich wegen unserem Auszug
nach und dass wir heute Morgen um zehn Uhr doch eigentlich einen Termin wegen
der Übergabe hatten, weil doch morgen ganz früh ausziehen wollten? Verdutzt
überlegte ich und entschuldigte mich, doch ich war der Meinung, den Termin hätten
wir erst morgen, weil wir übermorgen ausziehen. Alles kein Problem, dann sollte
die Übergabe eben morgen Vormittag 10:30 Uhr stattfinden. Wir verabschiedeten
uns voneinander und Frau Mitreisende und ich fuhren in den 5 Stock zu unserem
Apartment… doch in mir nagte etwas. Überlegend warf ich den Laptop an und
kramte unsere Reiseunterlagen hervor…. VERDAMMTE SCHE**E!!! Wir haben uns um
einen ganzen Tag vertan!!! PANIK!!! Schnell rief ich in der Apartment
Verwaltung an und erklärte die Situation. Dabei entschuldigte ich mich
gefühlte hundertmal und obwohl die Bürozeiten eigentlich schon vorbei waren und
uns die Mitarbeiterinnen hätten versauern lassen können, machte sich eine der
lieben Damen auf den Weg zu uns. Wir hatten ca. eine Stunde Zeit, unsere Sachen
halbwegs vernünftig zu packen und das Apartment zu putzen… wir haben alles
geschafft und die Abnahme war ganz einfach, die Mitarbeiterin super nett und
sehr lieb. Natürlich haben wir uns nochmals entschuldigt und die Situation
erklärt. Sie hat gelacht und gesagt, es sei alles in Ordnung, Hauptsache, wir
verpassen unseren Flug nicht und alles geht gut. Zum Glück hatte ich vor
unserem Urlaub in Deutschland noch Gummibärchen und Pralinen für die
Mitarbeiter des Kyoto Apartment geholt. Denn die sind immer absolut freundlich,
hilfsbereit, nehmen sich Zeit, alle Fragen zu beantworten und versuchen einem
das Wunschapartment zur Verfügung zu stellen. Dafür waren die Süßigkeiten
gedacht, nun waren sie auch eine kleine Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten,
die wir bereitet haben.
Nach der Verabschiedung von der netten jungen Frau, deren
Name ich nicht mehr weiß (das Alter oder die Aufregung, eins von beidem ist
schuld), aßen wir erstmal unsere O-Bentos. Wir hatten den ganzen Tag, außer dem
Frühstück, einem Soyjoy Riegel und einem kleinen Brötchen vor gefühlten 10
Stunden, noch nichts gegessen. Danach war Koffertetris angesagt. Wie packt man
seine Sachen so, dass alles und noch viel viel viel mehr in den Koffer geht?
Keine Ahnung! Mein Koffer war gepackt, er ging zu, ich drehte mich um und sah,
dass da noch ein Haufen Klamotten liegt, der auch noch mit muss – Verzweiflung,
Schweiß und Tränen… na nicht ganz. Irgendwie hat der heutige Tempelbesuch doch
eine gewisse innere Ruhe gebracht, die erstaunlich ist. Nach zwei weiteren
Anläufen ist mein Koffer gepackt und hier ist auch die Auflösung des
allerersten Rätsels. Das Geschenk der Mitreisenden war ein…
Kofferkleidchen! Damit soll man seinen Koffer leichter
erkennen, es schützt den Koffer etwas und soll es Langfingern schwerer machen.
Die grünen Strippen gehören zum Koffergurt und dienen der Sicherung.
Jetzt sind wir also wirklich fast am Ende angelangt. Morgen
geht’s um 7:30 Uhr mit dem Zug nach Tokyo, wo wir unsere Koffer hoffentlich
schon mittags am Flughafen einchecken können, ehe wir uns noch den halben Tag
mit SHOPPING versüßen. Nachts um 1 Uhr oder so geht dann unser Flieger und
deshalb wahrscheinlich auch die totale Konfusion, wann wir abreisen… aber es
ist ja doch gut gegangen! Und an dieser Stelle kann mir einer sagen, was er
will. Das kann doch kein Zufall sein, dass alles so gekommen ist. Das wir die
Mitarbeiterin „zufällig“ vor der Haustür getroffen haben, dass „zufällig“ noch
jemand im Büro war und für uns Zeit hatte. Ich glaube, da hatte jemand ein Auge
auf uns und hat seine schützende Hand über uns gehalten – Danke dafür! Das
Chaos mag ich mir gar nicht ausmalen, wenn wir wirklich einen Tag zu spät nach
Tokyo aufgebrochen wären.
Jetzt sind wir also fast mit allem fertig. Noch ein paar kleine
Handgriffe morgen früh um 5:00 Uhr und wir brechen zur letzten Etappe auf. Frau
Mitreisende bat mich, einen Nachruf auf ihre Schuhe zu schreiben, die sie
leider hier lassen muss, weil die Sohlen gerissen sind.
Soll sie haben:
Ihr Lieblingsschuhe, so grün, so bequem,
mit Luftlöchern an den Seiten und Fersen ward ihr versehen.
Doch ach und weh, nun kam die Zeit,
da Luftlöcher sich auftaten an der Unterseit’
Die Sohle gerissen, das Wasser trat ein,
die Füße so feucht, wie meine Äugelein.
So nehm’ ich denn Abschied von euch,
ihr wunderbares Paar und sag’s auf Japanisch
Sayonara!
Heute verabschiede ich mich nicht mit einem "bis morgen", sondern mit einem "Bis bald". Es werden noch ein paar Einträge zum Japanurlaub folgen. Es gibt noch die ein oder andere Anekdote zu berichten und wer weiß schon, was wir morgen noch so alles in Tokyo erleben.
Also ... wir lesen uns bald! :-D
Alles Liebe,
eure Yane
Hallöchen Ihr beiden,
AntwortenLöschennun bin ich also doch schon (fast?) zu spät dran :-(
Erstmal Danke für die Karte. Sie kam gestern an und war eine tolle Überraschung zum Feierabend.
Hut ab! Was Ihr an Kilometern gelaufen seid und das jeden Tag mit anscheinend viel Spaß, verdient mehr als Respekt. Und solltet Ihr jetzt Treppensteigen-süchtig sein, kann ich Euch eventuell etwas weiter helfen. ;-)
Ich wünsche Euch noch ein paar lustige Stunden in Tokyo, nur wenig Abschiedsschmerz und einen guten und ruhigen Heimflug.
Knuddel und bis bald
Eure Camy
P.S. Ach ja, ich tippe auf 38 Postkarten, die Ihr abgeschickt habt ;-)
Und Raban, der Kofferschutz stand Dir richtig gut *gg*
Liebe Heimkehrer,
AntwortenLöschengebt ruhig zu, dass Ihr den Abflug liebend gern verpasst hättet.
Wir aber freuen uns ganz dolle aufs Wiedersehen.
Alles soweit auch vorbereitet.
Liebe Grüße von Do. u. Pe.