Donnerstag, 23. April 2015

Irren ist menschlich oder totale Konfusion


Da war er nun angebrochen, der vorletzte Tag in Kyoto. Mit viel Sonnenschein und nach langer Nachtruhe (ganze 8 Stunden Schlaf!). Das konnte nur ein großartiger Tag werden, denn noch lagen 2 ganze Tage in Kyoto vor uns. Laut Wetterbericht mit viel Sonne. Ganz entspannt starteten wir in den Tag und während Frau Mitreisende sich für ein Art japanisches Frühstück mit Misosuppe und Tintenfisch (mit Saugnäpfern an den Tentakeln – irghs) entschied, gönnte ich mir ein Schälchen deliziöser Erdbeeren. 
 
Den komischen Tintenfisch enthalte ich euch lieber vor, sehr appetitlich sah der nämlich nicht aus. Bevor wir zu unserem Tagesausflug aufbrachen, schrieben wir noch ein paar Karten und Raban packte ihren Koffer einmal zur Probe – alles easy. Es passte fluffig fast alles rein und vom Gewicht her auch kein Thema. Das hob unsere sowieso schon gute Laune erheblich. Mit dem Bus, der mal wieder proppen voll war, fuhren wir zum Daisen-In, einem sehr bekannten Tempel, um den es herum noch gefühlte weitere 50 Tempel gibt, die aber alle irgendwie zum Daisen-In gehören. Nur besichtigen kann man nicht alle.
Bei unserer Fahrt fiel uns einmal mehr auf, dass wahnsinnig viele Schüler tagsüber in den Schreinen und Tempeln (und natürlich in den Bussen und Bahnen dahin) unterwegs sind. Entweder in ganzen Klassen oder aber in Gruppen von 4 bis 10 Schülern, oft begleitet von einem meist älteren Erwachsenen, der die Anlagen erklärt. Da stellte sich uns des Öfteren die Frage, ob die keinen Unterricht in den Klassen haben oder nicht genügend Platz, so dass permanent ein Teil der Schüler mit solchen Exkursionen beschäftigt werden muss. Falls sich jetzt Jemand fragt, ob das böse gemeint ist: nein, ist es nicht. Es ist wirklich sehr auffällig, wie viele Schulkinder unterwegs sind. Massen! Aber zurück zum Thema. Der Daisen-In Komplex ist wirklich sehr schön und idyllisch. Wer Abstand von der Hektik braucht, gönnt sich am Besten dort einen ganzen Tag. Man kann entspannt durch die ruhigen Straßen schlendern und sich in Ruhe umsehen, ohne etwas von der Hektik und dem Lärm der Stadt mitzubekommen. 

 















Und wenn man Muse und Zeit hat (die sollte man sich für einen Besuch im Haupttempel nehmen), geht man in den Daisen-In. Wir haben fast zwei Stunden dort verbracht und waren von dem kleinen Garten ganz hin und weg. Ich kann nicht wirklich erklären, wie der Garten aufgebaut ist, aber er verläuft um das Haus herum. Wer jetzt Blumen, Büsche und Sträucher erwartet wird enttäuscht. Man läuft im Haus/am Haus entlang über Stege und blickt in den Zen-Garten hinein. Kies ist so gerächt, dass er in Wellen liegt. Große Steine die darauf ausgerichtet sind, haben eine bestimmte Bedeutung und das alles erschließt sich dem geneigten Besucher, in dem er das Klemmbrett mit allen Erklärungen (mit insgesamt 30 Punkten) Stück für Stück durch geht und sich auf das einlässt, was zu sehen ist. Dann ist dieser Besuch sehr spannend und informativ. Hat man keine Zeit oder Lust dazu, sind es nur ein haufen Steine, etwas Moos und vielleicht noch ein oder zwei Bäumchen, die in einem ansonsten kargen Garten herum stehen. Aber(!) wenn ihr irgendwann einmal den Daisen-In besuchen solltet, dann nehmt euch die Zeit, es lohnt sich! Wir hatten heute zwar keine echte Erleuchtung, aber dennoch viel Spaß und sind ein ganzes Stückchen schlauer geworden ;-) Leider ist das Fotografieren verboten. Wer Interesse hat, sich den Garten anzusehen, googelt entweder oder schreibt mich an, ich habe eine kleine Broschüre mit den Erklärungen der einzelnen Abschnitte des Gartens.



So unerleuchtet, aber noch entspannter als zuvor, machten wir uns auf den Rückweg, der allein bis zum Bahnhof fast eine ganze Stunde in Anspruch nahm. Im Bahnhof, ihr ahnt es bestimmt schon, holten wir uns am Lieblingsbentoladen O-Bentos und brachten die Postkarten weg. Da unser JR Bus erst eine halbe Stunde später fahren sollte, machten wir uns zu Fuß auf den Weg ins Apartment. Dort angekommen begegneten wir einer Mitarbeiterin von Kyoto Apartment, unseren Vermietern. Sie fragte sehr freundlich wegen unserem Auszug nach und dass wir heute Morgen um zehn Uhr doch eigentlich einen Termin wegen der Übergabe hatten, weil doch morgen ganz früh ausziehen wollten? Verdutzt überlegte ich und entschuldigte mich, doch ich war der Meinung, den Termin hätten wir erst morgen, weil wir übermorgen ausziehen. Alles kein Problem, dann sollte die Übergabe eben morgen Vormittag 10:30 Uhr stattfinden. Wir verabschiedeten uns voneinander und Frau Mitreisende und ich fuhren in den 5 Stock zu unserem Apartment… doch in mir nagte etwas. Überlegend warf ich den Laptop an und kramte unsere Reiseunterlagen hervor…. VERDAMMTE SCHE**E!!! Wir haben uns um einen ganzen Tag vertan!!! PANIK!!! Schnell rief ich in der Apartment Verwaltung an und erklärte die Situation. Dabei entschuldigte ich mich gefühlte hundertmal und obwohl die Bürozeiten eigentlich schon vorbei waren und uns die Mitarbeiterinnen hätten versauern lassen können, machte sich eine der lieben Damen auf den Weg zu uns. Wir hatten ca. eine Stunde Zeit, unsere Sachen halbwegs vernünftig zu packen und das Apartment zu putzen… wir haben alles geschafft und die Abnahme war ganz einfach, die Mitarbeiterin super nett und sehr lieb. Natürlich haben wir uns nochmals entschuldigt und die Situation erklärt. Sie hat gelacht und gesagt, es sei alles in Ordnung, Hauptsache, wir verpassen unseren Flug nicht und alles geht gut. Zum Glück hatte ich vor unserem Urlaub in Deutschland noch Gummibärchen und Pralinen für die Mitarbeiter des Kyoto Apartment geholt. Denn die sind immer absolut freundlich, hilfsbereit, nehmen sich Zeit, alle Fragen zu beantworten und versuchen einem das Wunschapartment zur Verfügung zu stellen. Dafür waren die Süßigkeiten gedacht, nun waren sie auch eine kleine Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten, die wir bereitet haben.



Nach der Verabschiedung von der netten jungen Frau, deren Name ich nicht mehr weiß (das Alter oder die Aufregung, eins von beidem ist schuld), aßen wir erstmal unsere O-Bentos. Wir hatten den ganzen Tag, außer dem Frühstück, einem Soyjoy Riegel und einem kleinen Brötchen vor gefühlten 10 Stunden, noch nichts gegessen. Danach war Koffertetris angesagt. Wie packt man seine Sachen so, dass alles und noch viel viel viel mehr in den Koffer geht? Keine Ahnung! Mein Koffer war gepackt, er ging zu, ich drehte mich um und sah, dass da noch ein Haufen Klamotten liegt, der auch noch mit muss – Verzweiflung, Schweiß und Tränen… na nicht ganz. Irgendwie hat der heutige Tempelbesuch doch eine gewisse innere Ruhe gebracht, die erstaunlich ist. Nach zwei weiteren Anläufen ist mein Koffer gepackt und hier ist auch die Auflösung des allerersten Rätsels. Das Geschenk der Mitreisenden war ein…


 

Kofferkleidchen! Damit soll man seinen Koffer leichter erkennen, es schützt den Koffer etwas und soll es Langfingern schwerer machen. Die grünen Strippen gehören zum Koffergurt und dienen der Sicherung.



Jetzt sind wir also wirklich fast am Ende angelangt. Morgen geht’s um 7:30 Uhr mit dem Zug nach Tokyo, wo wir unsere Koffer hoffentlich schon mittags am Flughafen einchecken können, ehe wir uns noch den halben Tag mit SHOPPING versüßen. Nachts um 1 Uhr oder so geht dann unser Flieger und deshalb wahrscheinlich auch die totale Konfusion, wann wir abreisen… aber es ist ja doch gut gegangen! Und an dieser Stelle kann mir einer sagen, was er will. Das kann doch kein Zufall sein, dass alles so gekommen ist. Das wir die Mitarbeiterin „zufällig“ vor der Haustür getroffen haben, dass „zufällig“ noch jemand im Büro war und für uns Zeit hatte. Ich glaube, da hatte jemand ein Auge auf uns und hat seine schützende Hand über uns gehalten – Danke dafür! Das Chaos mag ich mir gar nicht ausmalen, wenn wir wirklich einen Tag zu spät nach Tokyo aufgebrochen wären.



Jetzt sind wir also fast mit allem fertig. Noch ein paar kleine Handgriffe morgen früh um 5:00 Uhr und wir brechen zur letzten Etappe auf. Frau Mitreisende bat mich, einen Nachruf auf ihre Schuhe zu schreiben, die sie leider hier lassen muss, weil die Sohlen gerissen sind.

Soll sie haben:




Ihr Lieblingsschuhe, so grün, so bequem,
mit Luftlöchern an den Seiten und Fersen ward ihr versehen.
Doch ach und weh, nun kam die Zeit,
da Luftlöcher sich auftaten an der Unterseit’
Die Sohle gerissen, das Wasser trat ein,
die Füße so feucht, wie meine Äugelein.
So nehm’ ich denn Abschied von euch,
ihr wunderbares Paar und sag’s auf Japanisch
Sayonara!


Heute verabschiede ich mich nicht mit einem "bis morgen", sondern mit einem "Bis bald". Es werden noch ein paar Einträge zum Japanurlaub folgen. Es gibt noch die ein oder andere Anekdote zu berichten und wer weiß schon, was wir morgen noch so alles in Tokyo erleben.

Also ... wir lesen uns bald!  :-D

Alles Liebe,
eure Yane

2 Kommentare:

  1. Hallöchen Ihr beiden,

    nun bin ich also doch schon (fast?) zu spät dran :-(
    Erstmal Danke für die Karte. Sie kam gestern an und war eine tolle Überraschung zum Feierabend.

    Hut ab! Was Ihr an Kilometern gelaufen seid und das jeden Tag mit anscheinend viel Spaß, verdient mehr als Respekt. Und solltet Ihr jetzt Treppensteigen-süchtig sein, kann ich Euch eventuell etwas weiter helfen. ;-)

    Ich wünsche Euch noch ein paar lustige Stunden in Tokyo, nur wenig Abschiedsschmerz und einen guten und ruhigen Heimflug.

    Knuddel und bis bald

    Eure Camy

    P.S. Ach ja, ich tippe auf 38 Postkarten, die Ihr abgeschickt habt ;-)
    Und Raban, der Kofferschutz stand Dir richtig gut *gg*

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  2. Liebe Heimkehrer,
    gebt ruhig zu, dass Ihr den Abflug liebend gern verpasst hättet.

    Wir aber freuen uns ganz dolle aufs Wiedersehen.
    Alles soweit auch vorbereitet.

    Liebe Grüße von Do. u. Pe.

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