Mittwoch, 15. April 2015

Begegnung der dritten Art

Gestern Abend hatten wir vereinbart, auszuschlafen damit Raban ihre Erkältung kurieren kann. Wenn die Möglichkeit gegeben ist, schläft sie dann auch gern bis Mittag und verdient hätte sie sich das auf jeden Fall. Da noch der zweite Teil unseres Auswärtsspiels geschrieben und gebloggt werden sollte, wollte ich den Vormittag dazu nutzen. 
Auch ganz ohne Wecker war ich um 8:00 Uhr hell wach. Nach einer heißen Dusche brachte ich unsere Wäsche zu den Münzwäschern, denn die Rehsabber von Miyajima wollten wir schon aus unseren Klamotten haben. Erst danach setzte ich mich an den Blog. Erstaunlicherweise war Frau Mitreisende schon um 10:00 Uhr hellwach und Topfit. Aber blogger wollte einmal mehr nicht so wie ich und es dauerte zwei Stunden, bis tatsächlich alle Bilder hochgeladen waren. Erst gegen Mittag konnten wir uns dann zum Einkaufen aufmachen. Der Kühlschrank zeigte gähnende Leere und wir brauchten dringend Getränke und etwas Essbares. Da wir nicht jeden Tag einkaufen wollen und vielleicht mal zwei Tage keine Getränke schleppen müssen, haben wir im Fresco eine Art Großeinkauf für drei Tage gemacht. Das ist in Japan, zumindest in der Stadt recht ungewöhnlich. Hier wird immer nur in kleineren Mengen gekauft. So war es zunächst nicht verwunderlich, dass ein älterer Herr staunend hinter Raban her schlich, die den schweren Korb, mit all den Getränken und einigem an Essen zur Kasse trug. Ich hatte noch zwei weitere Getränkedosen in der Hand und wollte Raban folgen, damit auch die zwei Dosen mit abkassiert werden konnten, doch besagter Herr stand, noch immer staunend neben Raban an der Kasse und begutachtete, was da alles so im Korb lag. Vorsichtig entschuldigte ich mich bei ihm, weil ich mich zu Raban an die Kasse vordrängelte. Dem Herren wurde bewusst, dass wir zusammen gehörten und ich noch mehr Nachschub brachte. Er brabbelte mich gleich auf Japanisch voll. Was ich verstehen konnte war ungefähr: "Ahhh ihr gehört zusammen. Das auch noch dazu? Ist eine ganze Menge Zeug!" Dabei schlug er mir kumpelhaft auf die Schulter, was sowohl mich, als auch unsere Kassiererin irritierte. In einer Mischung aus Englisch und Japanisch versuchte ich ihm zu erklären, dass das ein Einkauf für mehrere Tage ist. Lachend betonte er nochmals, dass das sehr viel ist und ließ uns dann stehen. Die Kassierein hatte Mühe, die ganzen Sachen auf dem kleinen Tisch zu ordnen und einzuscannen, so dass Raban und ich schon begannen, die Sachen in Tüten zu packen und zur Seite zu räumen, als der ältere Herr erneut zu uns kam, mir nochmals auf die Schulter klopfte und meinte "Ganbare ne!" - Soviel wie "Ihr schafft das schon!" Ein weiteres Mal sahen die Kassiererin und ich uns irritiert an und unterhielten uns unter stetigem Lachen kurz. Wir waren beide so verwirrt von dem Ganzen, dass wir beide fast vergaßen, dass der Einkauf noch bezahlt werden musste. Unter Gelächter beiderseits, entschuldigte ich mich bei ihr "Es tut mir sehr leid." und zückte das Geld, doch sie lachte herzlich, schüttelte ihren Kopf, "Mir tut es auch leid.", worauf wir beide noch mehr lachen mussten. Nach ein paar weiteren netten Worten, extra Tragetüten und kostenlosem Rubbellos, standen Frau Mitreisende und ich an der Seite, um all unsere Einkäufe ordentlich in Tüten und Rucksäcke einzupacken. Keine 20 Sekunden später kam erneut der ältere Herr zu uns und blubberte uns fröhlich voll und zwar in einer solchen Schnelligkeit, dass ich nicht nur wenig, sondern sehr sehr wenig verstand. Allerdings hatte der Gute auch einen wahnsinns Dialekt. Selbst nachdem ich ihn mehrfach auf Japanisch mitteilte, dass ich ihn nicht verstand, hielt ihn das nicht ab, uns weiter in gleicher Geschwindigkeit und gleichem Dialekt mit Worten zu überschütten. Er fragte ob wir aus Amerika sind, was wir verneinten und ihm sagten, dass wir aus Deutschland kommen. Großer Fehler! Der Redeschwall wurde nun noch enthusiastischer und er warf in den einzelnen Sätzen immer wieder Deutsche Städtenamen und Worte ein. Im Endeffekt kam heraus, dass er vor 40 Jahren mal mit seiner Frau in Deutschland war. Er war auf dem Oktoberfest und die Bierkrüge sind dort riesig, genau wie die Bierbäuche der Männer. Dann war er noch in Hamburg und Berlin und an der Mosel. Er liebt Moselwein. An dieser Stelle hat es mich innerlich vor Lachen zerfetzt, denn diese Situation war wie aus unserem Japanisch Lehrbuch. Weiter ging es mit der Frage woher wir denn genau kämen. Das war nicht so einfach zu erklären, denn da kannte er sich (vielleicht zum Glück, denn sonst würden wir wahrscheinlich jetzt noch dor stehen und uns mit ihm unterhalten) nicht aus. Aber er verstand, das wir aus dem Osten der Republik sind. Er wollte wissen, was wir in Kyoto machen, ob wir studieren ("Ja, die hiesige Ess- und Trinkkultur", hätte ich am Liebsten gesagt, doch meine limitierten Japanischkenntnisse ließen das nicht zu.), ob wir verheiratet sind und wie alt wir sind. Dabei erzählte er uns erst, er wäre 56, dann 65 und schließlich 75, was ich ihm nicht so abnehme. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit. Dann endlich, als er merkte, dass wir in unserem Gespräch nicht weiter vorwärts kommen, verabschiedete er sich von uns. Da er mit dem Rücken zur Kassierein stand, konnte er nicht sehen, welche Blicke sie ihm immer mal wieder zuwarf. Ich glaube, sie wäre an der ein oder anderen Stelle gern zu unserer Rettung geeilt. Zumal ich sehr wahrscheinlich stellenweise nicht sehr glücklich ausgesehen haben muss. Ganz besonders seine Schulterklopferei mochte ich nicht. Ansonsten war diese Begegnung sehr seltsam, zumindest aus meiner Sicht. Frau Mitreisende hat sich wohl eher amüsiert. Da merkte man auch, dass Raban ein Händchen im Umgang mit älteren Menschen hat und insbesondere der geduldige Typ ist. So oder so, wir konnten endlich unsere Habseligkeiten schnappen und den Supermarkt verlassen. 

Im Apartment verstauten wir Alles und begaben uns dann zum Nishi Hongwanji, einem Tempel ganz in unserer Nähe. Leider regnete es die meiste Zeit und war sehr frisch. Ein paar ansehnliche Bilder haben wir (zumeist Frau Mitreisende) dennoch machen können.







Zurück zu Hause gab es ein heißes Bad, die Planung für die nächsten Tage, denn es soll sehr schönes Wetter werden, und etwas zu Essen von unserem Supervorrat. 

Der Blog ist geschrieben, es ist fast 0:45 Uhr und morgen früh klingelt um 6:00 Uhr der Wecker - YEAH!


Liebe Grüße und mata ashita!
Eure Yane

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