Mittwoch, 15. April 2015

Kyoto Auswärtsspiel Teil 2: Gorillas im Nebel


Vorwort: 
Liebe Do. aus W. an der A., vielen Dank für das Kompliment. Eigentlich darf man sich in den Kimonos und den dazu gehörigen Jacken im gesamten Hotelgebäude bewegen und nach Einbruch der Dunkelheit auch nach draußen gehen und über die Insel spazieren. Zum darin Schlafen sind die Kimonos nicht gedacht.


Gorillas im Nebel? 
Um 6:30 Uhr morgens klingelte der Wecker. Nach Tee und einem sehr kleinen, spartanischen Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und checkten aus dem Hotel aus. Unsere Sachen brachten wir zum Hafen. Dort kann man Koffer, Rucksäcke usw. einschließen und dann mit leichtem Gepäck die Insel erkunden. Wir waren dank unseres zeitigen Aufbruchs relativ allein. Noch bevölkerten keine Touristenströme die Straßen und Sehenswürdigkeiten und auch die Rehe waren (noch) sehr entspannt und friedlich.












Auf unserem Weg zum Ropeway besuchten wir gleich den Itsukushima Schrein. Nur eine kleine Touristengruppe und ein paar weitere Frühaufsteher waren bereits da.












Im Schrein liefen die Vorbereitungen für eine am Nachmittag dort stattfindende Trauung. Es wurde geputzt, gekehrt, Holz geölt, Matten ausgelegt.




Nachdem wir den Schrein durchlaufen und genügend Fotos geknipst hatten, ging es weiter Richtung Ropeway immer bergauf.











 An der Seilbahn angekommen, ging es rein in die Gondel und rauf zur Zwischenstation, wo man in eine weitere Gondel umsteigen muss. 


 Wir waren mit die ersten, nur ein älterer Herr wartete bereits in der zweiten Gondel. Das so wenig los war, lag sicherlich an dem, auf dem Berg, anhaltenden Nebel und der Bewölkung. Einige wenige verirrten sich kurz nach uns auf den Berg. Trotz einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 98% und das Frau Mitreisende eine leichte Erkältung mit sich herum schleppt, wagten wir uns an den Aufstieg. Ich selbst fühlte mich, anders als vor 5 Jahren, gut trainiert und vorbereitet, den Gipfel zu erklimmen. Wie schwer konnte es schon sein, dort hoch zu kommen? Viele ältere Herrschaften, denen wir auf unserem Hin und Rückweg begegneten, beschreiten den nicht gerade einfachen Weg zum Berggipfel mit einer Frische und Leichtigkeit, die mir bereits nach einem Drittel des Aufstieges abhanden gekommen war. Allein von der Seilbahnstation bis zum Gipfel gilt es rund 650 Stufen zu bewältigen. Dabei sind die Stufen unterschiedlich hoch, unterschiedlich tief und manchmal gar nicht als echte Stufen zu erkennen, sondern Felsbruchstücke, über die man steigen muss. Zwischen den einzelnen Stufen kommen Abschnitte mit steil verlaufendem Weg. Hier und da macht der Weg einen Bogen, geht kurz Berg ab, nur um gleich darauf wieder steil anzusteigen oder in einer Treppe zu münden, die es zu erklimmen gilt, wenn man denn nach oben will. Und wir wollten. Ganz unbedingt, auch wenn es noch so schwül war und wir beide völlig verschwitzt waren, als wir, zunächst glücklich, bei dem Bergtempel ankamen.





 Aber da war kein Gipfel. Nein, um auf den Gipfel zu gelangen, musste man sich weiter nach oben quälen. So weit gekommen, wollten wir nicht aufgeben. Stetig schraubte sich der Weg weiter nach oben, in die Wolken hinein und immer wenn man dachte, das jetzt ist die letzte Biegung… dann musste man noch ein Stück weiter. Aber dann, endlich, ganz oben angekommen, wurden wir mit einer Aussicht belohnt, die man sicherlich nicht jeden Tag geboten bekommt.











Wir standen in einer Wolke und im Nebel und sahen Gorillas im Nebel... oder auch nicht. Spaß bei Seite, es war wirklich frisch dort oben und an einem klaren, sonnigen Tag ist der Ausblick bestimmt grandios. So in etwa:

Wir hatten dennoch Spaß. Und sind auch ein kleines bisschen stolz auf uns, weil wir es wirklich und überhaupt bis zum Gipfel geschafft haben. Dabei hat sich Frau Mitreisende besonders tapfer geschlagen. Mit einer Erkältung da hoch ist wirklich kein Spaziergang.


Auf unserem Abstieg begegneten uns dann mehr Leute und alle grüßten sich fröhlich, wohl wissend, was den einen  noch an Arbeit bevor stand und was die anderen bereits hinter sich hatten. Zurück in der Seilbahnstation gönnten wir uns unsere erste echte Mahlzeit des Tages. Curry Udon. Heiß, scharf und absolut wohltuend. Dazu eine Aussicht, die um einiges besser war, als die auf dem Gipfel.




Das änderte aber leider nichts an der Tatsache, dass wir beide völlig durchgeschwitzt waren und uns umziehen mussten. Was bedeutete… Souveniershops plündern und T-Shirts ergattern! Gesagt getan. Schwer bepackt, denn natürlich blieb es nicht bei den T-Shirts, und bei schönstem Sonnenschein, sahen wir uns als nächstes die Pagode an. Die Sonne schien bis zum Nachmittag, nur in den Bergen hielten sich Wolken und Nebel beständig.  







Beim Bummel durch die kleinen Straßen Miyajimas, beschlossen wir, ein paar der Spezialitäten zu kaufen und in Ruhe an der Strandpromenade zu vernaschen. Die Momoji Manju gibt es mit verschieden Füllungen und schmecken offenbar nicht nur uns Menschen, sondern auch den vielen Rehen. Die Rehe haben sich so an die Menschen gewöhnt und werden offensichtlich immer wieder von den Touristen gefüttert, dass einige Tiere direkt auf einen zukommen und versuchen, sich Essen zu stibitzen. Was sich niedlich anhört ist nervig und auch gefährlich für die Tiere, die dabei auch immer wieder Plastikverpackungen mit fressen. Aus unserem Plan, gemütlich eine Kaffeepause einzulegen, wurde nichts. Wir mussten unsere Leckereien gegen zwei ganz besonders aufdringliche Rehe verteidigen. Während ich mich ein Stück entfernte, ist Frau Mitreisende sitzen geblieben und hat mit einem Rehböckchen um Platz und Essen gestritten. Nach Punkten lag Frau Mitreisende deutlich vorn, sie hat sich weder aus der Ruhe bringen, noch von ihrem Platz vertreiben lassen.







Leider verging die Zeit auf der Insel viel zu schnell und wir mussten „Auf Wiedersehen“ sagen. Denn ein Wiedersehen wird es hoffentlich geben. Frau Mitreisende und ich haben schon Pläne für unseren nächsten Besuch auf Miyajima gemacht. Wenn irgend geht, wollen wir dann länger bleiben. Raban hat sich vielleicht nicht in die Insel an sich verliebt, die findet sie einfach nur schön, aber die Rehe, die haben es ihr angetan ;-D



Auf dem Weg zurück nach Kyoto haben wir beide im Shinkansen erst eine Kleinigkeit gegessen und dann etwas geschlafen. In Kyoto mussten wir an der Central Station nur noch in den richtigen Bus steigen und 6 Stationen bis zum Apartment fahren. Während Frau Mitreisende ihre Erkältung mit einem heißen Bad und kaltem Sake den Kampf ansagte, versuchte ich gestern noch beide Blogeinträge fertig zu stellen. Doch blogger hatte irgendwie nur wenig Lust und brauchte ewig, um die Bilder für den ersten Teil unseres Auswärtsspiels hoch zu laden. Gegen 1:00 Uhr nachts war zumindest der erste Teil fertig. Raban lag bereits im Bett und schlief. Ich beschloss, mich nicht weiter zu quälen, sondern den zweiten Teil des Eintrages auf heute zu verschieben, so dass ihr, liebe Leser, heute zwei Blogeinträge bekommt.



In diesem Sinne: Bis später - じゃあまたね





Eure Yane

1 Kommentar:

  1. Tapfer, tapfer, zwei Geishas so hoch hinaus. Runterwärts ist meist schlimmer als hoch.
    Gibt es dann etwa Muskelkater?

    Danke für die vielen schönen Bilder und natürlich den Text.

    Wann wollt Ihr Euch mal richtig ausschlafen? Auf dem Heimflug.?

    Liebe Grüße von Do. und Pe.

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